Gedanken während der Seuche Nummer 2 – Das Ende der Globalisierung

Gedanken während der Seuche Nummer 2 – Das Ende der Globalisierung

Von Alexander Dugin

Aus dem Englischen übersetzt von Alexander Markovics

Hallo, willkommen zur Fortsetzung unserer Gespräche in der Ära der Pandemie! Heute möchte ich über die unbestreitbaren Konsequenzen des Virus sprechen, der sich in der Welt verbreitet, die so wie es mir scheint, offensichtlich geworden sind.

Ich bin tief davon überzeugt, dass die Coronavirusepidemie das Ende der Globalisierung darstellt, eine Ansicht, die von den geistig gesündesten Experten sowohl in unserem Land, als auch auf einer globalen Ebene geteilt wird. Alle Institutionen, alle Mechanismen, welche die Verbreitung der Pandemie hätten eindämmen und eine unmittelbare Reaktion darstellen sollen um diese irgendwie zu lokalisieren, neutralisieren oder heilen, all diese Institutionen, auf die die Menschheit zählen und sich verlassen konnte, haben versagt unter den Bedingungen einer globalen vereinten Welt mit offenen Grenzen, der Ideologie der Menschenrechte und der gemeinsamen Vision von vollkommener Transparenz für alle Gesellschaften. Sie alle haben auf eine sehr beschämende Weise versagt. Die Globalisierung konnte nichts gegen den Coronavirus tun. Am Anfang gebar der Versuch, alles so zu lassen, wie es ist, nichts zu verändern und keine Antwort auf den Virus zu geben, katastrophale Ergebnisse und alle Gesellschaften, inklusive der offensten überhaupt, der liberalsten und globalistischsten, allen voran Europa und Amerika, wurden dazu gezwungen, ihre Grenzen zu schließen, Reglementierungen von Seiten der Regierungen in Kraft zu setzen, den Notstand auszurufen und sehr stark von jenen globalen Institutionen Abstand zu nehmen, die ihre totale Unfähigkeit und komplette Ineffektivität dabei bewiesen haben, auf irgendeines der Probleme zu reagieren und ihre Autorität an die Nationalstaaten delegierten. Was in Frankreich mit Macron passiert ist, in den USA mit Trump, in Deutschland mit Merkel und sogar mit Boris Johnson in Großbritannien bedeutet eine Rückkehr zu den Nationalstaaten, die Verhängung des Ausnahmezustandes und wie Carl Schmitt sagte, folgt auf den Ausnahmezustand notwendigerweise die Etablierung einer Diktatur. Souverän ist für Carl Schmitt nur derjenige, der Entscheidungen im Ausnahmezustand trifft, dem Ernstfall. Der Coronavirus brachte uns den Ernstfall, also den Notstand und in diesem Notstand fällt nur die oberste Autorität Entscheidungen, nämlich die souveränen Nationalstaaten. Genau an diesem Punkt sind wir angelangt!

Anders gesagt, so bald die Globalisierung mit etwas zusammengestoßen ist, dass eine wirkliche Bedrohung für Menschenleben darstellt, lösten sich der Bannfluch der Offenen Grenzen, der Technokratie, Elon Musks, von Flügen zum Mars, selbstfahrenden Teslaautos, Greta Thunberg und allen anderen globalistischen Projekten von einem Moment auf den anderen auf. In der Tat können wir feststellen, wie im Gegensatz dazu China effektiv handelt. Warum gelang es gerade China, welches das erste Opfer der Verbreitung der Pandemie war, vielleicht sogar von einer Pandemie aus anderen Ländern: in den USA, Europa, Italien existierte sie zuvor, nur war sie nicht entdeckt worden. China stellte sich als das erste Land heraus, in dem die Epidemie als der Coronavirus identifiziert wurde. Und dann entdeckten andere Länder den Virus, auch wenn es ziemlich offensichtlich ist angesichts der Ausmaße und des Umfangs der Verbreitung des Coronavirus in den USA und Europa, dass dieser Virus dort bereits lange Zeit existierte, er jedoch nur nicht als solcher diagnostiziert wurde. China war es also, das als erstes, noch dazu in einem ziemlich erschreckenden Ausmaß auf diese Epidemie traf, und konnte mit diesem nur dank seiner Abgeschlossenheit fertig werden. Aufgrund der Tatsache, dass China eine von der kommunistischen Partei regierte Struktur aufrecht erhielt, blieb es eine disziplinierte und disziplinierende Gesellschaft, die sofort abgeschlossen war und ihre Abschließung durchsetzte, Wuhan abriegelte, andere Provinzen abschloss, Menschenströme blockierte, die Reisefreiheit verbat und den Ausnahmezustand in einem Teil seines Territoriums erließ und auf diese Art und Weise den Virus lokalisieren und bekämpfen konnte. Diese aufs strengste koordinierte Aktion des chinesischen Modells lieferte das Beispiel dafür, wie man den Virus bekämpfen musste. Am Anfang sagten England, Italien, Spanien, Frankreich, Deutschland und Amerika noch: „Nein, nur nicht die chinesische Variante!“ und versuchten sich über die Chinesen lustig zu machen, aber sobald die Probleme Europa erreichten, stellte sich heraus, dass die Methoden, welche die Chinesen angewandt hatten die einzig richtigen im Kampf gegen den Coronavirus waren.

Einige besonders überzeugte Fanatiker und Globalisten wie Giorgio Agamben oder Bill Gates versuchen uns noch immer davon zu überzeugen, dass man den Coronavirus am besten bekämpft indem man möglichst schnell alle infiziert, die Grenzen offen lässt und das globalistische System genauso belässt wie es ist, gut, auf diese Weise stirbt man nur schnell. Boris Johnson versuchte während der Verbreitung des Virus im Vereinten Königreich ebenfalls diesen liberalistisch-globalistischen Weg einzuschlagen, aber wich sehr schnell davon ab, als sich die erschreckenden Ausmaße dieser Tragödie herausstellten und rang sich dazu durch, das selbe nationale Isolationsregime durchzusetzen, wie der Rest der Welt, mit der Schließung von der Grenzen, Isolierung und Quarantänierung von Menschen im Angesicht der außergewöhnlichen Umstände. Die heutige Welt entspricht also dem Geschmack all jener, die ihre Gesellschaften schließen wollten, ihre Grenzen und ihr Volk abschließen, einen Ausnahmezustand verhängen und die Autorität des Nationalstaates als höchste Instanz anerkennen oder sie wollten es nicht, aber mussten es in einer Notsituation im Angesicht der Pandemie, weil jeder um sie herum genau dasselbe tat: Er schloss seine Grenzen ab, grenzte sein Volk ab und übertrug die Macht von einer supranationalen auf eine nationale Ebene. Was haben wir als Ergebnis? Wir hatten vor Beginn der Epidemie und der Verbreitung des Coronavirus eine Offene Gesellschaft und auch wenn diese Gesellschaft im weltweiten Vergleich nicht komplett offen war, alle Eliten, alle Anführer aller Länder auf der Welt, Russland, China, sogar der Iran anerkannten in einem großen Ausmaß, ganz zu schweigen von den westlichen Ländern, dass wir in einer Offenen Gesellschaft leben und dass die Offene Gesellschaft, sofern sie wie in Europa und Amerika nicht schon erreicht wurde, ein Ziel sei, nach dem es zu streben gelte. Aus diesem Grund hat in Wirklichkeit niemand die liberale Demokratie und die Offene Gesellschaft als Ziel, nach dem die ganze Menschheit strebt, in Frage gestellt. Niemand hat das zuvor in Frage gestellt. Und dann kam der Coronavirus und es stellte sich heraus, dass dieses Ziel und seine Absichten komplett gescheitert sind. Sie ist eine Chimäre die keinerlei Antworten für irgendeine der Herausforderungen darstellt, mit denen sie konfrontiert wurde. Und danach konnten wir den totalen Zusammenbruch der Offenen Gesellschaft beobachten, da man sich nun zwischen dem Kampf gegen den Coronavirus und der Offenen Gesellschaft entscheiden musste. Diejenigen, welche am Anfang „Lieber eine Offene Gesellschaft und den Tod!“ proklamierten haben jegliche Unterstützung verloren, weil alle, wirklich absolut alle und sogar die westlichen Gesellschaften, welche durch diese Offenheit bereits am stärksten penetriert wurden, schrien: „Nein, wenn Abgeschlossenheit unser Leben rettet, dann wählen wir die Geschlossene Gesellschaft.“

Das ist geschehen: Wir erleben die Schließung der Offenen Gesellschaften und das Übergehen von transnationalen Autoritäten und Zugängen in den ökonomischen, sozialen und politischen Prozessen hin zu nationalen Standards. Willkommen in der Multipolaren Welt! Der Coronavirus hat die Offene Gesellschaft geschlossen, den Prozess der Globalisierung eliminiert, die globale Wirtschaft unterminiert (wir haben bereits darüber gesprochen) und den Völkern wieder die Rückkehr zu den nationalen Grenzen möglich gemacht. Und viele werden mir nun sagen: „Gut, das sind zeitlich beschränkte Maßnahmen, jetzt wird sich jeder daran halten, ein Heilmittel erfinden und dann wird alles wieder so wie früher…“ Das ist aber falsch. Zunächst wird diese Epidemie eine Zeit lang dauern. Selbst die größten Optimisten gehen von einem Zeitraum von sechs Monaten oder einem Jahr aus. Viele sagen, dass er die ganze Menschheit kontaminieren und dass es zu einer Zweiten Welle der Krankheit kommen werde. Manche sagen auch, dass neben einer Zweiten Welle und einem Wiederaufflammen des Virus auch verschiedene Stränge desselben für Probleme sorgen könnten (Zunächst ist aber festzuhalten, dass wir nicht vollständig über seine Konsequenzen und wie ernst und fürchterlich er sein kann informiert sind), ein derartiger Präzedenzfall beweist im Prinzip bereits das totale Scheitern des globalistischen Projekts.

Wenn ein ernsthaftes Problem von der Menschheit nur effektiv im Kontext der Abgeschlossenheit gelöst werden kann, durch die Schließung der nationalen Grenzen, bedeutet dies, dass die Globalisierung am Ende ist und wir in eine postglobale Welt eintreten. Dementsprechend erleben wir heute von einem ideologischen Geschichtspunkt aus den Übergang von einer Offenen Gesellschaft zu einer Geschlossenen und je länger dieser Kampf unter den Bedingungen einer Geschlossenen Gesellschaft andauern wird und nur unter solchen Bedingungen kann er geführt werden, desto tiefer werden die Institutionen dieser postglobalen Welt Wurzeln schlagen. Wir traten in die Coronaviursepidemie als Offene Gesellschaft, als globale Welt ein und wir werden sie als Multipolare Welt, mit den Nationalstaaten als obersten Trägern der Souveränität, verlassen. Das wurde bereits durch diese Pandemie vollzogen. Tag für Tag wird die Unumkehrbarkeit dieses Prozesses immer offensichtlicher. Jene die daran glauben, dass alles wieder so wie früher, vor der Pandemie werden werde, liegen komplett falsch: Es gibt keinen Weg zurück, es liegen vor uns komplett neue Horizonte, eine neue Weltordnung, die sich von der alten unterscheiden wird liegt vor uns, gänzlich anders als die Bipolare Welt, die in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts zusammenbrach, aber auch anders als die Unipolare Welt. Diese Multipolare Welt in der China und Russland starke geschlossene Staaten sind und sogar die Vereinigten Staaten von Amerika mittels Ausnahmezustand überleben können, mit Trump, mit der Durchsetzung einer Sperrstunde, Soldaten in den amerikanischen Städten und einer Abschließung, genauer gesagt einer „suspendierten Demokratie“ und einer zeitlich begrenzten Aufhebung der bürgerlichen Rechte und Freiheiten oder zumindest Beschränkungen – dominiert diese Form von Herrschaft die Weltordnung, welche sich Tag für Tag stärker herausbildet. Während des Coronavirus tauschen wir also die Weltordnung aus und ersetzen die Offene Gesellschaft und das globale System durch eine geschlossene Gesellschaft, eine Multipolare Welt mit ganz anderen Prioritäten, anderen Wertesystemen und anderen Strukturen politischer Herrschaft.

Der Ausnahmezustand, der Ernstfall, ist etwas sehr sehr Ernstes und derjenige, der in einer solchen Situation die Macht in den Händen hält, wird sie nicht so einfach freiwillig aufgeben. Das ist, so könnte man sagen, die positive Seite der Epidemie, in der wir jetzt leben. Natürlich ist es wichtig mit ihr umzugehen und zu überleben, aber Sie können nicht alles auf die Lösung von rein technischen Angelegenheiten reduzieren, es ist wesentlich über die Zukunft nachzudenken. Denn am Ende dieser Pandemie werden wir in einer gänzlich neuen post-globalen Realität ankommen.

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