Die Kadetten des Alcázar

Die Kadetten des Alcázar

Denkt man heute an Schriften über den Spanischen Bürgerkrieg, so denkt man vor allem an republikanische Zeugnisse. Die Autoren Orwell und Hemingway schießen einem dabei in den Kopf, nicht aber Henri Massis und Robert Brasillach. Das Narrativ der siegreichen Militärs und ihrer Verbündeten unter Franco ist quasi unbekannt.

„Die Kadetten des Alcázar“ aus dem Jahr 1936 ist dabei heute vor allem als Dokument des damaligen Zeitgeistes zu lesen. Durch es kann man die europäische Krise des 20. Jahrhunderts und ihren mobilisierenden Mythos besser verstehen, wie der Chef des Jungeuropaverlages Philipp Stein im Vorwort hervorhebt.

Der aussichtslose Kampf gegen eine kommunistische Übermacht

Der Beginn der Handlung setzt mit dem Ausbruch des Spanischen Bürgerkrieges ein. In einer packenden Szene halten die beiden Autoren den Beginn der Kampfhandlungen in Toledo fest, welches tief im Gebiet der spanischen Regierungstruppen lag. Doch die Kadetten der spanischen Elitemilitärakademie ergeben sich nicht dem Kommunismus, sondern beschließen zu kämpfen.

Unter der Führung des Obersts Moscardo y Ytarte besetzen sie den Alcázar von Toledo und verteidigen ihn gegen die Übermacht der Regierungstruppen. Gemeinsam mit ihren Frauen und Kindern, welche ebenfalls in den Alcázar flüchten, um einem Massaker durch die republikanischen Truppen zu entgehen, wollen sie des Entsatzes durch die Truppen Francisco Francos harren.

Die Handlung der Novelle beginnt mit dem fünften Tag der Belagerung, als der Sohn des Obersts von Moscardo von den Kommunisten gefangen genommen wird. Ein letzter Anruf geht in der Festung ein: Entweder der Oberst übergibt die Festung, oder sein Sohn muss sterben.

Um dein Leben zu retten, mein Sohn, wollen sie mir meine Ehre nehmen und jene von denen, die mir anvertraut sind. Nein, ich werden den Alcázar nicht ausliefern! Vertraue deine Seele Gott an, mein Kind und sein Wille wird sich erfüllen.(S.14)

Um das Schicksal seiner Soldaten und ihrer Familien zu retten, opfert Moscardo seinen Sohn. Die Opferbereitschaft der Belagerten wird dabei stets aufs Neue bemüht: Artilleriebombardements, Fliegerbomben und Panzerangriffe prüfen ihren Durchhaltewillen immer wieder auf’s Neue.

Doch obwohl am Ende der mehr als 70 Tage andauernden Belagerung nur noch Trümmer übrig sind, halten die Verteidiger in den Katakomben bis zum Entsatz die Stellung. Vom Anfang bis zum Ende bietet die Novelle eine packende Darstellung der Ereignisse aus nationalistischer Sicht.

„Die Kadetten des Alcázar“ von 1936 sind eine willkommene Abwechslung zur heutigen einseitigen Darstellung des Bürgerkrieges. Dass es sich hier um keine objektive Darstellung der Ereignisse handelt, sollte jedem Leser klar sein.

Ein faschistisches Kronstadt?

Vielmehr findet man hier aber den Gründungsmythos des franquistischen Spanien vor. Massis und Brasillach schufen mit ihm den Mythos der faschistischen Bewegung in Europa. Was den Sowjets Kronstadt war, wurde für die Faschisten Toledo.

Doch die Kadetten von Toledo kämpften nicht alleine für Spanien. Sie verteidigten das christliche Abendland. (S.102)

Somit handelt es sich bei „Die Kadetten des Alcázar“ um ein Werk, welches eindrucksvoll vor Augen führt, wie man aus historischen Ereignissen Mythen schafft. Dabei geht es nicht darum, das Buch als Glorifizierung des Faschismus zu lesen, genauso wenig wie man Orwells „Hommage to Catalonia“ als Argument für den Trotzkismus liest. Der Sinn des Buches im 21. Jahrhundert ist ein ganz anderer.

Einerseits kann es die Perspektive der „Anderen“ auf die Geschehnisse darstellen, welche heute in der Regel zu kurz kommt. Es kann nicht als Geschichtsbuch dienen, sondern vor allem als Abbild des Zeitgeistes, das hilft zu verstehen.

Andererseits zeigt es auf, wie man Gemeinschaften und Staaten einen Sinn geben kann. Das Opfer der Kadetten wurde in Spanien und ganz Europa zum mobilisierenden Mythos im Kampf gegen den damals noch als reale Bedrohung existierenden Kommunismus und wurde bis in die 50er Jahre dazu verwendet.

In einer Zeit, in der man uns aller Helden beraubt und unsere Geschichte als einzigen Abgrund darstellt, können uns Bücher wie diese zeigen, wie wir uns wieder eine Vision geben können um den geistigen Kampf zur Wiedergeburt Europas zu führen.

Oder um biblisch zu sprechen:

Wo keine Vision ist, da geht ein Volk zugrunde. (Sprüche 29,18)

Das Buch bestellt ihr am besten hier über den Jungeuropaverlag. 

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