Arcadi – Rezension

Arcadi-Magazin

Seit kurzem erscheint das Arcadi-Magazin nun auch in gedruckter Form. Wer den Internetblog rund um Yannick Noe kennt, weiß, dass die Charakterisierung als „Identitären-Bravo“ nicht das Wesen des neuen Magazins trifft.

„Identitären-Bravo“? Von wegen! 

Das Heft wird in insgesamt sechs Kategorien unterteilt: Politik, Reisen, Film, Kunst, Sport und Leben geben im Heft den Ton an. Hierin besteht auch schon der enorme Unterschied zu Magazinen wie Sezession, Gegenlicht oder Tumult: Wer politische Theorie sucht, der wird enttäuscht; alle anderen erfreuen sich an einer Mischung aus Vloggerporträts, Aktionsberichten, Reisedokumentationen, Graphiken, Sportberichten und einem Schuss Bravo.

Erlebnisberichte und Club-Mate

Am Anfang des Heftes steht ein langes Interview mit der amerikanischen Vloggerin Brittany Pettibone. Darauf folgt ein ausführlicher Bericht über Defend Europe von Simon Kaupert, der auch der Frage nachgeht, inwiefern sich die Mission auf die Flüchtlingszahlen ausgewirkt hat und wieso diese jetzt wieder massiv gestiegen sind. Den Abschluss des Politikteils bildet ein Bericht von der Wahlkämpfertätigkeit beim Front National.

In der Ernährung, Gesundheit und Sport-Rubrik erfahren wir, welches Essen im Supermarkt besser nicht angefasst wird und wie es ist, einen „Tough Mudder“, also einen schlammhaltigen Hindernislauf hinter sich zu bringen. Für die „Ibster“ gibt es dann noch einen Bericht über Mategetränke.

Classen verdeckt bei Scientology

Das Blaue Narzisse Urgestein Robin Classen geht undercover in die New-Age-Sekte Scientology und beschäftigt sich mit dem Phänomen der Luxusgefängnisse. Einen tiefen Eindruck hinterlässt der Reisebericht von Anja Jacob über ihren Ausflug von Danzig bis Tallinn, der einen ihre Ostseefahrt mit vielen geschichtlichen und kulturellen Details nacherleben lässt. Genau diese Reportagen sind es auch, die dem Magazin seine besondere Note geben und es von der Masse abheben.

Star Wars, Black Metal und Mary’s Land

Im Kulturteil finden sich schließlich neben den Graphiken von Radical Esthétique, CD-Besprechungen von Black Metal bis Lana del Ray, ein eigener Beitrag über die kommenden Star Wars-Filme, sowie den christlichen Film „Mary’s Land“ und zahlreiche Besprechungen amerikanischer Comics und Videospiele. Insbesondere bei den Comicbesprechungen blüht Chefredakteur Yannick Noe förmlich auf – man merkt, dass hier ein Kenner am Werk ist.

Den Abschluss bildet schließlich die Kategorie „Leben“ welche den wohl widersprüchlichsten Teil des Heftes darstellt: Auf der einen Seite sieht man einen fast schon positiv militaristischen Bericht über das Leben bei der Bundeswehr und einen konservativen Brandartikel gegen die Masturbation und dann kommen genau die zwei Seiten, derentwegen (neben der Titelgeschichte) wohl die meisten Leute das Arcadi-Magazin als Identitären-Bravo bezeichnen: Fräulein Frech, der Doktor Sommer des Arcadi-Magazins, gibt uns Ratschläge, wie wir unser Sexleben verbessern können. Jeder der sich noch an Doktor Sommer erinnern kann, weiß, wie schwer es ist, solche Texte zu verfassen, ohne ins Peinliche abzugleiten. Hier gleitet der Text leider ins unfreiwillig Komische ab.

Ein Magazin abseits der politischen Theorie

Insgesamt handelt es sich beim Arcadi-Magazin um den interessanten Ansatz eines Jugendmagazins von rechts, dass insgesamt gut gelungen ist. Gerade Leute, die den Blog schon immer gern gehabt haben, bekommen hiermit quasi eine Hochglanzausgabe zum Mitnehmen. Wer die Gegenkultur abseits der Theorie sucht, wird hier fündig.

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